Social Distance Run - 100 Meilen Weitmarer Holz

Zusammen laufen geht nicht in Zeiten von Corona?

Geht doch. Nur anders. Alle Leute aus der samstäglichen Trainingsgruppe vermissten den gemeinsamen langen Lauf am Wochenende. Die sinnvollen Beschränkungen im Kampf gegen das Virus lassen Gruppenläufe oder gar Wettkämpfe nun mal nicht zu. Natürlich wurde überlegt, ob vielleicht ein Lauf als Gruppe mit gebührendem Abstand möglich sei, aber wir kamen zu dem Schluss, dass wir kein falsches Signal setzen wollten und verwarfen den Gedanken wieder.

So einfach wollte man sich jedoch nicht geschlagen geben. Und bei der Suche nach einem anderen Weg, gemeinsam zu laufen – und das mit aller gebotenen Rücksicht auf die Abstandsregeln – entstand die Idee eines Staffelrennens. Und zwar analog und nicht App-digital, wie es in Corona-Zeiten in Mode gekommen ist.

Der Staffelstab: eine Garmin Fenix 6 mit leuchtgelbem Armband. Gelaufen werden sollte eine 10,2 km lange Runde im Naherholungswäldchen Weitmarer Holz, die Sommertrainingsstrecke unserer BSG Springorum Bochum. Und zwar nacheinander von 16 Leuten. Mit +215 Höhenmetern pro Runde sind auch einige An- und Abstieg drin. Nach jeder Runde wird die Uhr auf einer Bank ab- und vom nächsten Läufer angelegt.
Selbstverständlich sollten alle Regeln der Social Distance auch beim Laufen eingehalten werden. Also keine enge Überholungen von Spaziergängern.

Auf eine Rundmail an die Samstagstrainingsgruppe und einige weitere Vereinsmitglieder reagierte die ausgehungerte Bande geradezu euphorisch. Und so wurde der Termin für den 25. April festgeklopft. Startzeit für den ersten Läufer: 6:00 Uhr. Alle weiteren Starts waren mit einigen Minuten Puffer für die Folgeläufer*innen festgelegt worden. Die große Frage lautete: Wie schnell würden die 164 Kilometer in der Staffel zu laufen sein? Immerhin summierten sich auch die Höhenmeter auf stattliche +3.560, und die Bandbreite der Leistungsfähigkeit aller Teilnehmer war groß.

Es wurde ein großer Tag, und alle haben rausgehauen, was ging. Als wäre es ein lupenreiner Wettkampf. Den ganzen Tag über wurden per Mail die Zwischenstände kommuniziert. Alle fieberten mit. Vor der abschließenden Runde zeigte die Uhr 13:58:25 Stunden an. Schlussläufer Klaus Dahlbeck, der das kleine Event initiiert hatte, liebäugelte nach monatelanger Verletzungspause wegen Kreuzband-OP und Muskelbündelriss vorab mit einer Rundenzeit von 1:02 Stunden, da Runterlaufen bei ihm derzeit nur vorsichtig und in ruhigem Joggingtempo möglich ist. Gleichwohl bestand auch die Chance, ein Zeit unter 15 Stunden zu realisieren. Er lief nur nach Körpergefühl und schaute unterwegs nicht einmal auf die Uhr.

Bei Start/Ziel hatten sich überraschender Weise ein paar Mitläuferinnen und Mitläufer in reichlich Corona-Abstand aufgereiht und riefen ihrem Schlussläufer ein "Achtung! Bus!" entgegen, weil kurz vor dem Ziel am Parkplatz, der Waldweg die kleine Blankensteiner Straße quert, wo genau in diesem Moment der stündliche verkehrende Bus vorbeifuhr. Also war noch mal ein abruptes Abstoppen nötig. Im Ziel der bange Blick auf die Uhr: Hatte es noch gereicht für sub 15 Stunden? Hatte es. 14:57:24 Stunden Gesamtzeit, ein tolles Ergebnis. Aber mit noch mehr Freude erfüllte alle Teilnehmer das eindrucksvolle Gemeinschaftserlebnis.

Hier alle Daten im Überblick:
Jüngster Teilnehmer: 20 Jahre

Ältester Teilnehmer: 60 Jahre

Durchschnittsalter: 46,2 Jahre

Schnellste Runde: 43:27 Minuten

Langsamste Runde (ohne Verlaufen): 1:04:56 Stunden

Gesamtstrecke: 164,24 km

Höhenmeter: +3.540

Gesamtzeit: 14:57:24 Stunden

Durchschnittspace: 5:28 min/km

Besonderheit: Weil ein eingeplanter Teilnehmer nach einem kleinen Radunfall tags zuvor kurzfristig ausfiel, rettete Oliver das Projekt mit einer respektablen Doppelrunde in 1:51 Stunden.

Bilder findet ihr hier

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